Sturm und Wurm

(ab 3 J.)
von Barbro Lindgren und Cecilia Torudd

Spieldauer: ca. 40 min

Regie: Matthias Lutz
Ausstattung: Jan Hax Halama
Es spielt: Rudi Müllehner

Algot Sturm ist ein freundlicher, höflicher Mensch. Er ist ordentlich und fleißig aber leider sehr allein! Wenn er seine Topfpflanze gießt, und dabei merkt, dass auch diese nicht mehr mit ihm zusammen leben will, muss er sogar ein bisschen weinen. Aber Algot Sturm nimmt sich immer und überall zusammen und führt ein sehr korrektes Leben.
In seiner kleinen Wohnung hat alles auf dem richtigen Platz zu sein und zweimal täglich geht er im Park spazieren.

Bis zu diesem einen Tag, der eigentlich hätte ganz normal verlaufen können: als er wieder einmal seine Runde im Park dreht und dabei nichtsahnend einen Wurm vor einer Elster rettet, diesen mit nach Hause nimmt und schließlich merkt, dass der Wurm sprechen kann, wird mit einem Schlag sein ganzes Leben durcheinander gebracht. Denn dieser Wurm ist frech, sehr frech! Er hat immer nur neue Wünsche und müde ist er jetzt obendrein ... Herr Sturm kann erst einmal gar nichts mit seinem ungewöhnlichen Gast anfangen. Aber nach und nach übernimmt er, wenn auch zunächst widerwillig, Verantwortung für dieses ganz und gar andere Wesen.

Die einfühlsame Geschichte von einem der lernt zu teilen, und dafür sehr reich belohnt wird: Er gewinnt einen Freund!

 

Einen Wurm für Sturm
"Neues Volksblatt" Nr. 271 vom 22.11.2003 Seite: 25

Von Philipp Wagenhofer

"Wann kommt denn der Sturm?", meinte ein junger Theaterbesucher. Okay, so wörtlich darf man den Titel von Barbro Lindgrens und Cecilia Torudds Stück "Sturm und Wurm" nicht nehmen, das im Linzer Theater des Kindes im Kuddelmuddel am Freitag Premiere hatte.

Sturm war längst auf der Bühne, Algot Sturm, ein korrekter, aber einsamer Typ. Als er im Park Bekanntschaft mit einem frechen Wurm macht, könnte sein Leben eine Wende nehmen. Tut es auch, aber bis sich die Freundschaft festigt, Sturm und Wurm ihr Leben teilen, müssen Hürden überwunden werden.

Matthias Lutz hat die 45-minütige Geschichte für Kinder ab drei Jahren mit viel Liebe zum Detail inszeniert, was auch auf die Bühne zutrifft, gibt doch der Wasserhahn Schlagobers ... Rudi Mühllehner überzeugt, ob als Sturm oder Wurm (sein Finger), Schneider oder Kellner - sein mit Slapstick-Elementen angereichertes Spiel sorgt für Kurzweil. Da zeigt selbst die Tatsache Wirkung, dass der Wurm bei seinem Gitarrespiel einschläft. Ein kleiner Theaterbesucher: "Der Wurm schnarcht genauso wie mein Papi."


KINDERTHEATER: "Sturm und Wurm" muss sein
Karl-Knut tut gut

Oberöstereischische Nachrichten
Hauptausgabe vom 22.11.2003 - Seite 025

VON BERNHARD LICHTENBERGER

Es muss nicht immer Kasperl sein. Die bessere Einstiegsdroge, oder sagen wir lieber das süßeste Zuckerl, um Kinder ab 3 Jahren für die Bühne zu begeistern, reicht das Theater des Kindes: Gestern hatte das Stück "Sturm und Wurm" der schwedischen Autorinnen Barbro Lindgren und Cecilia Torudd Premiere.

Es ist eine Geschichte des Zueinanderfindens, der Freundschaft, der Zweisamkeit. Herr Algot Sturm erzählt, wie sein bescheidenes, kleinliches, graues, einsames Leben durch die seltsame Begegnung mit einem kecken, vorlauten Wurm reicher, bunter, schöner wurde.

Das einzig Lebendige im Heim des Herrn Sturm war bisher die Pflanze im Blumenstock. Ausstatter Jan Hax Halama hat in die leere Bühnenmitte einen drehbaren, überdimensionierten Blumenstock gebaut, der die ganze kleine, überschaubare Welt des Herrn Sturm birgt: Hier finden sich alle Orte, die aufgesucht werden: Wohnung, Schneiderei, Konditorei.

Rudi Müllehner zieht eine sagenhafte Ein-Mann-Show ab. Flink schlüpft er nahtlos von einer Rolle in die nächste, vom Sturm zum französisch parlierenden Schneidermeister und weiter zum Kellner. Zur Meisterschaft bringt er es im Doppelspiel als menschlicher Sturm und quatschender Wurm Karl-Knut. Den stellt er mit dem in einer Strickhülle steckenden Zeigefinger seiner linken Hand dar. Es gelingt ihm, beide Charaktere gleichzeitig mit Wort, Gestik und Körperbeherrschung von Charlie-Chaplin-Format zu beleben. Mit Slapstick, blechern-kreischender, frecher Wurm-Stimme und Sprachhumor hat er Aufmerksamkeit und Lacher des Publikums auf seiner Seite, das mit lustigen Zwischenrufen nicht geizt.

So wie der Strickfinger des Wurmes weist auch die Regie von Matthias Lutz keine große Masche auf, durch die in 45 Minuten ein Gähnen schlüpfen könnte.

Wer "Sturm und Wurm" versäumt, der wird sich wurmen.


"Sturm und Wurm"-Premiere im Theater des Kindes in Linz:

Milli Hornegger, Kronenzeitung, 22.11.2003

Eine richtige Männer-Freundschaft

„jetzt musst aber staubsaugen“, meint ein kleiner Besucher streng zu Herrn Sturm, nachdem sich der Wurm durch den Salat gewühlt hat. Und eine kleine Dame plaudert ungeniert aus: "Der schnarcht wie der Papa". Premiere für "Sturm und Wurm" im Theater des Kindes in Linz - ein Spaß auch für Große!

Eigentlich ist „Sturm und Wurm“ für die ganz kleinen Theaterbesucher ab drei gedacht. Aber auch wenn Sie ein Vielfaches an Lenzen zählen (wie ich), werden Sie sich hier gut amüsieren. Herr Sturm ist ziemlich einsam, also beschließt er, in den Park zu gehen. Dort drängelt sich ein kleiner, vorwitzig-neugierig-frecher Wurm in sein Leben. Ein Wurm, mit dem Herr Sturm endlich Gitarre spielen kann, der dem Griesgram ordentlich Paroli bietet, ihm aber auch das Lächeln zurückschenkt. Die schwedischen Autorinnen Barbro Lindgren und Cecilia Torudd erzählen diese duftige Geschichte einer (Männer-)Freundschaft. Auf der Bühne: ein Mann und sein Freund Wurm. Rudi Müllehner und sein linker Zeigefinger. Ein starkes Team, einer ohne den anderen nach 45 Minuten unvorstellbar. Mathias Lutz hat die Inszenierung mit Tempo und Witz auf den Punkt gebracht, Jan Hax Halama ein so simples wie vielseitiges Bühnenbild in den Raum gestellt.

 

Die Schöne und das Biest

(ab 5 J.)
Von Andrea Gronemeyer, Franco Melis und Susanne Sieben - frei nach Madame Leprince

Regie: Joachim Rathke
Ausstattung: Christian Kaufmann
Es spielen: Daniela Wagner & Jürgen Hirsch

Liebe ist schön, aber wer liebt, der nervt auch! Er liebt sie und will nichts sehnlicher, als von ihr einen Kuss bekommen. Doch sie will partout nichts davon wissen. So beginnen die beiden eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte von Liebe soll es sein, vom Guten und vom Bösen.

Eine Geschichte voll Verwandlung und spannenden Wendungen: Was liegt da näher als "Die Schöne und das Biest"? Ein schönes Mädchen begibt sich, um das Leben ihres Vaters zu retten, in die Hände eines Biests. Das unschuldige Kind gruselt sich vor dem Monster und fürchtet, gefressen zu werden.

Während des Erzählens versucht er immer wieder, einen Kuss von ihr zu bekommen. Ihr aber gelingt es, ihm ständig geschickt auszuweichen. Nicht nur das: sie ändert die Handlung nach Lust und Laune, schlüpft von einer Rolle in die andere, nur um ihm zu entfliehen. Ist sie nur die Schöne und er nur das Biest?

Lasst euch entführen in die Welt von "Die Schöne und das Biest" und entdeckt mit uns eine Geschichte über die "erste Liebe" und den "ersten Kuß".

Mit diesem neuen Blick auf ein altes Märchen geht das Stück auf feinfühlige Weise mit unseren Träumen und Illusionen um, ohne diese u zerstören.

Der Kampf um ein paar Küsse
Kronenzeitung, 14.03.04

Von Vera Rathenbök

Er liebt sie, sie liebt Geschichten. Da erfindet er die Geschichte von der Schönen und dem Biest und wittert Chancen, im Rollenspiel ein paar Küsse zu ergattern. Doch so einfach ist das nicht. Joachim Rathke stellte eine peppige Liebesgeschichte ins Linzer Theater des Kindes. Heftiger Beifall für Daniela Wagner und Jürgen Hirsch.

"Wir machen kein zartes Kindertheater, sondern zeigen, wie es ist, wenn man begehrt, das Begehren aber nicht zurückgegeben wird", sagt Joachim Rathke über seine Inszenierung des Stückes "Die Schöne und das Biest". Rathke ist bekannt als Schauspieler des Linzer Landestheaters und lebt seine Regieleidenschaft beim sommerlichen Wilheringer "Theaterspectakel" aus - und jetzt eben im Theater des Kindes.
Das deutsche Autorenteam Andrea Gronemeyer, Franco Melis und Susanne Sieben hat das Urmärchen zuvor bereits entkitscht und eine moderne, clowneske Version entworfen.

Er (Jürgen Hirsch) steht auf sie (Daniela Wagner) und will einen Kuss. Sie ist sich ganz ihrer Schönheit bewusst und sagt "Nein!". Unverblümt zählt sie noch mehr Gründe auf, warum er nicht annähernd der Prinz ist, den sie sich erträumt. Als er dann die Geschichte von der Schönen und dem Biest zu erzählen beginnt, spielen sich jedoch beide im Rollenspiel von Erwartungen und Unterstellungen frei.

Regisseur Joachim Rathke und Ausstatter Christian Kaufmann distanzieren alles von der Clownerie und bringen es in einen Kontext, der dem Kinderspiel an sich nicht unähnlich ist. Das beginnt schon bei den Kostümen. Aus einer dunklen Kiste werden Attrappen gezogen, die man sich nur vorne anheftet. Man spielt und erzählt dazwischen, wie man das spielen will oder wie der Andere etwas spielen soll. Jürgen Hirsch und Daniela Wagner finden zu einer Erzähl- beziehungsweise Spielhaltung, die in den Gefühlen spontan wirkt und ohne künstliche Überzeichnung auskommt. Gutes Theater für Menschen ab 5Jahren.

Das Ringen um den ersehnten Kuss - - „Die Schöne und das Biest“ am Linzer Theater des Kindes
Neues Volksblatt, 13.3.04

Von Brigitte Thek

Von Birgit Thek - „Er“ singt von heimlicher Liebe und sehnt sich nach nichts mehr als einem Kuss von „Ihr“, „Sie“ aber ist in sich selbst und in die eigene Schönheit verliebt. „Er“ träumt von inniger Verschmelzung mit der Geliebten, „Sie“ ist auf Abgrenzung bedacht und wartet auf den „idealen“ Märchenprinzen. Das ist die ironisch-witzige Ausgangs-situation, in der das bekannte Märchen von der Schönen und dem hässlich-traurigen Biest für Kinder ab fünf erzählt wird. Landestheatermitglied Joachim Rathke setzt in seiner ersten Regie für das Theater des Kindes mit Witz und Tempo die gelungene Durchdringung von „realer“ und Märchen-Ebene in Szene, bestens unterstützt von Ausstatter Christian Kaufmann. Dieser hat in den sonst fast leeren schwarzen Raum eine Riesenkiste gestellt, die sich mit ein paar Handgriffen in das elterliche Domizil der Schönen und ins Schloss des Untiers verwandeln lässt. Ebenso praktikabel sind die Schablonen-Kostüme in der Art von Ausschneidebögen, in denen Daniela Wagner und JürgenHirsch mit viel Vehemenz ihren immer wieder die Rollen wechselnden „Kampf“ um den ersten Kuss austragen.

Dass sich in dieser Version das Biest nicht in einen Prinzen verwandeln muss um zuletzt doch akzeptiert zu werden, ist besonders po-sitiv hervor-zuheben. Wobei den jungen Besuchern der gestrigen Premiere — unüberhörbar — die Abscheu vor dem „stinkenden“ Biest gar nicht so leicht zu nehmen war.

Viel Theaterzauber aus der Bühnenkiste
OÖ Nachrichten, 13.03.2004

Von Irene Judmayr

Eine Schöne? Ein Biest? Kennen Sie? Nein. Gar nicht. Denn wie Regisseur Joachim Rathke am Linzer Theater des Kindes mit dieser Thematik der äußeren Gegensätze umgeht, ist erfrischend anders.

"Pfuoohwähhh!!!" - die Kinder graust, wenn sie sich letztendlich doch küssen. Die Schöne nämlich das Biest. Das Biest nämlich die Schöne.

Die Kinder, die sind so zwischen Kindergarten und ersten Schuljahren alt. In einem Alter also, in dem Küssen aber schon gar nicht prominent ist. Küssen will vorerst auch "die Schöne" nicht. Schon gar nicht den dicken Mundstinker, der sie da anhimmelt und weiß Gott was für Geschichten erfindet, nur damit er zu seinem Bussl kommt.

Über das Hin und Her des Beaumont-Märchens "Die Schöne und das Biest" schieben sich dann doch noch die inneren vor die äußeren Werte. Das haben Andrea Gronemeyer, Franco Melis und Susanne Sieben mit wohldosierten kinderfängerischen Fäkalprisen pfiffig dramatisiert. Das hat Joachim Rathke mit seiner unglaublichen Pranke für Situationskomik, subtile Details und Zwischentöne auch temporeich inszeniert. In, aus und durch eine Bühnenkiste (Christian Kaufmann) als idealem Tummelplatz für überraschenden Theaterzauber.

Eines ist immer klar: Hier "spielen" zwei. Kaleidoskopartigen Ausflügen in die Phantasie wird mit rasanten Schnitten die Realität zwischengeschaltet. In einem Spannungsbogen, der exakt an jenem Punkt ausläuft, an dem die Konzentration der Kinder nachzulassen beginnt. Perfektem Timing sind mit Jürgen Hirsch und Daniela Wagner zwei exzellente Bühnenfiguren gleichgeschaltet: Mit punktgenauem Witz gestalten sie die vermeintlichen Kontrapunkte.

"Wer liebt, der nervt auch", sagt Hirsch-Biest, Aug' in Aug' knallfall in die Schöne verliebt: "Sie zu sehen, war eine Sternenexplosion." Was Dani-Schön anders empfand: Sie benutzt seinen Liebaugenglanz großteils lediglich als Spiegel ihrer selbst. Liefert aber auf seinen Vorwurf, sie wolle immer nur das Gegenteil, eine wunderschöne Erklärung vom Ich-Bild in einer Paar-Beziehung: "Nein, ich will ein Eigenteil sein!" Der beste Vorsatz, wo gibt.

Westindische Früchte

(ab 7 J.)
Die Geschichte eines Schiffskochs - von Norbert Ebel
Spieldauer: ca. 50 min

Regie: Andreas Baumgartner
Ausstattung: Jan Hax Halama
Es spielt: Jürgen Hirsch

Wir befinden uns an Bord der "Santa Maria", jenes legendären Handelsschiffes, mit dem Christoph Columbus am 3. August des Jahres 1492 gen Westen aufbrach, um einen neuen Seeweg nach Indien zu erkunden. Seit mehreren Tagen ankert das Schiff vor der Küste einer unbekannten Insel, die wir heute Haiti nennen. Es wird für die Rückreise in die spanische Heimat mit allerlei Proviant beladen.

Im Bauch des Schiffes, in der stickigen Kombüse zwischen Kochgeschirr, Tellern, Schüsseln und Besteck hockt Stoffel, der junge Schiffskoch. Vor ihm, auf dem Arbeitstisch, eine Schale, angefüllt mit Kartoffeln, Tomaten, Chilischoten und Mais. Diese exotischen und unbekannten Früchte stellen für Stoffel ein kaum lösbares Problem dar.

Doch die Mannschaft hat Hunger, großen Hunger und Stoffel muss sich was einfallen lassen. Stoffel legt los! Alles ist neu, und gerade das macht es interessant. Ja, und was da zum Schluss auf der rußigen Kochstelle so genüsslich vor sich hinköchelt, das wird wohl auch unseren ZuschauerInnen schmecken! Lasst euch von Stoffel überraschen und bekochen!

Ein Stück über das Entdecken und große Entdecker, weit weg sein, und sich etwas einfallen lassen. Ein Stück zum Träumen und Begreifen.

Österreichische Erstaufführung im Linzer Theater des Kindes
Vera Rathenböck/Kronen Zeitung vom 24. 1. 2004
Wir schreiben 1492. Die Welt samt Himmel ist wie eine Käseglocke. Obwohl einige behaupten, sie sei rund. Verrückte Idee! Stoffel, der Schiffskoch an Bord der Santa Maria, mit der Christoph Kolumbus Amerika entdeckte, kocht im Linzer Theater des Kindes sein Seemannsgarn auf. Ein fantasievoller Monolog mit Jürgen Hirsch.
Die Santa Maria liegt vor einer unbekannten Insel, auf der sich so allerlei "westindische Früchte" tummeln. Der Herzapfel, wie Stoffel die Tomate nennt, ist wohl mindestens so schön und geheimnisvoll wie sein Mädchen, das er da treffen wird. Doch zuerst erzählt Stoffel von seiner Odyssee: Als Küchenjunge in Dornröschens Schloss hat er es nicht lange ausgehalten - und dann hat er angeheuert auf der Santa Maria für eine Fahrt nach Indien. Warum aber segelt der große Admiral, der wie Stoffel Christopher heißt, überhaupt nach Westen?
Norbert Ebel hat ein dichtes Erzähltheaterstück über die Entdeckung Amerikas geschrieben. Regisseur Andreas Baumgartner lässt Stoffel erzählen, kochen, kosten, schaukeln. Dazu fordert ihn das wundersame Bühnenbild von Jan Hax Halama heraus.
Der Monolog von Jürgen Hirsch als Stoffel prasselt zwar manchmal wie sein Feuer am Herd, dennoch kann er die Geschichte in das junge Publikum (ab 7 Jahren) rüberbringen. Stoffel ist eben ein liebenswerter Mensch aus einer anderen Zeit, der uns als Namensgeber der Kartoffel im Gedächtnis bleiben wird.

Und gar niemand hat gegähnt
Bernhard Lichtenberger/OÖNachrichten vom 24.01.2004

Ein Schiffskoch, der 45 Minuten lang ununterbrochen redet, von Kolumbus, Gemüse, Gott und der Welt. Das muss sich doch ziehen wie ein Strudelteig. Falsch! "Westindische Früchte" im Linzer Theater des Kindes fährt mit vollen Segeln.

Wie schafft es eine Bühne, textschwere Weltgeschichte auf die Bretter zu bringen, ohne dass die jungen Menschen ab sieben Jahren gelangweilt, gähnend und überfordert wegkippen?

Ein Teil des gestrigen Premierenerfolges gebührt dem Stück des deutschen Autors Norbert Ebel. Sein Schiffskoch Stoffel, der an Bord der "Santa Maria" unter dem Kommando von Christoph Kolumbus im Jahre 1492 vermeintlich nach Indien segelt, erzählt nicht nur vom großen Entdecker, von den Mühen der langen Fahrt, von Unmut und Goldgier der Mannschaft.

Er entdeckt selbst. Zum einen die unbekannten "Früchte", die ihm eine angehimmelte Insulanerin schenkt. Den Herzapfel (eine rote Tomate) und die Kartoffel, die roh nur zum Ausspucken taugt. Er zerbricht sich den Kopf über das Bild der Welt, die der oberschlaue Admiral für eine Kugel hält, wo doch jeder weiß, dass sie eine Scheibe ist.

Der Aufmerksamkeit dient, dass Austatter Jan Hax Halama das Publikum in den stilisierten schwarzen Schiffsbauch zu Stoffels Kombüse setzt.

Regisseur Andreas Baumgartner verlangt Jürgen Hirsch als Stoffel ständige Bewegung ab. Er turnt über ungehobelte Planken, hängt in Seilen, hockt sich zwischen Kinder, springt die Bordwand hoch, kocht. Der Zwang , ihn mit Augen verfolgen zu müssen, hält die Sinne wach.

Hirsch hat einen packenden Erzählton gefunden, der vieles enthält: Zweifel, einen Deut Respektlosigkeit, gesundes Selbstbewusstsein, scharfe Beobachtung, kritische Gedanken, Starrköpfigkeit und humorvolle Betrachtungen.

Jürgen Hirsch regiert den Raum, ob er nun pfiffig über Kolumbus spöttelt, furchterregende Ungeheuer an die Wand malt oder seine körperliche Wucht mit poetischer Schwärmerei vergessen macht.

So spannend kann Geschichtsunterricht sein! "Westindische Früchte" sollte zum Pflichtseminar für Lehrer erhoben werden, die sich über mangelnde Ausdauer ihrer Schüler beklagen.

Linzer Theater des Kindes traute sich mit dem Stück "Westindische Früchte" an das Wagnis "Erzähltheater".
Birgit Thek/Neues Volksblatt vom 24.01.2004

Mittendrin sitzt man bei Norbert Ebels Stück "Westindische Früchte", das am Freitag im Theater des Kindes zur österreichischen Erstaufführung kam. Jan H. Halama hat den Raum mit Seilen und Planken in einen Schiffsbauch verwandelt, in dem an seiner primitiven Kochstelle Schiffskoch Stoffel im Auftrag von Admiral Christoph Kolumbus werkt. Diese höchst gelungene Bühnenlösung ist auch das große Plus dieser Aufführung, die viel Denk- und Erzählstoff zu vermitteln hat. Denn der kleine und der große Christoph sind unterwegs auf der Santa Maria, mit der Kolumbus 1492 einen neuen Weg zu den Schätzen des Orients entdecken möchte.
Und es will nur schwer in den Kopf des Kochs hinein, dass der Weg in Richtung Westen und letztlich zur Entdeckung Amerikas führt. Stoffel weiß nicht, ob er Kolumbus trauen soll, der behauptet, die Erde sei eine Kugel. Immerhin landen die kühnen Seefahrer auf einer unbekannten Insel und lernen dort exotische Früchte kennen, die uns heute wohlvertraut sind. In nicht ganz einer Stunde unternimmt das Spiel den Versuch, ein Stück Weltgeschichte der Entdeckungen und den Wandel eines Weltbildes kindgerecht aufzubereiten. Die ganze Last ruht dabei auf Jürgen Hirsch, der als Stoffel voll gefordert ist. Und obwohl Regisseur Andreas Baumgartner auf Erzähltheater setzt und keinerlei "special effects" bietet, folgten ihm die jungen Premierengäste aufmerksam - Konzentrationsfähigkeit, die bei dieser reduzierten Form von Kindertheater gefordert ist und zum Schluss mit einer Kostprobe der "Westindischen Früchte" belohnt wird.

Fredi Wüterich

(ab 3 J.)
Interaktives Theater von und mit Margit Gebhartl-Zierhut

Spieldauer: ca. 50-60 min

Regie: Ingrid Höller

Wie gehen wir mit Wut um? Putzfrau Ottilie geht gemeinsam mit Pepe dieser Frage auf der Spur. Werden sie zusammen mit den Kindern im Farbenland Frieden stiften können? Und was hat Fredi Wüterich damit zu tun?

Die besondere Theaterform zum Mitmachen.